Aus der modernen Sterbeforschung weiss man, dass Sterben in verschiedenen Phasen abläuft.
Ein sterbender Mensch durchläuft im Sterbeprozess immer fünf Sterbephasen, die unterschiedlich lang andauern können und manchmal fliessend ineinander übergehen.
Im Falle eines Unfalls können sie sich in Sekunden abspielen, im Alter und/oder bei Krankheit können sie Wochen oder gar Monate andauern. Und das ist sicher nicht einfach auszuhalten. Dennoch gehört Sterben zum Leben, es passt bloss nicht in unsere Gesellschaft, die den Tod komplett verdrängt. In anderen Völkern geht man mit Sterben und Tod beispielsweise viel natürlicher um.

In einer dieser Sterbephasen findet auch immer ein nochmaliges Aufblühen statt,
so dass man Hoffnung schöpft, dass der geliebte Mensch nun doch nicht stirbt.
Beim Tier ist das genauso!
Schläfert man ein Tier in genau dieser Phase ein, dann eskaliert die Situation!

-  Es braucht ein Vielfaches an Narkosemittel, da das Tier einfach nicht Einschlafen will...
-  Pferde rappeln sich in Panik auf, fliehen, durchbrechen Abschrankungen und brechen dann zusammen...
-  etc.

Praktisch jedem Tierarzt sind solche Vorfälle bekannt, für die er jedoch in der Regel keine Erklärungen hat!
Was zurück bleibt ist ein Trauma beim Besitzer, denn solche letzte Bilder brennen sich tief in die Seele ein, sie werden einen lange verfolgen und man wird sie niemals vergessen können!
Und das ist sicher nicht das Ende, das man seinem geliebten Tier wünscht.
Viel mehr sollte es doch friedlich Einschlafen -

WARUM?

Das Tier befindet sich in der Sterbephase der Entscheidung, die sich durch ein nochmaliges, meist kurzes, Aufblühen zeigt.
Es ist noch nicht an dem Punkt angelangt, an welchem seine Augen 'abgelöscht' sind,
es ist noch nicht am Punkt angelangt, an dem es den Kampf um das Leben aufgibt,
Loslassen kann,
nicht mehr will.

Der Mensch meint es gut und will das Tier erlösen,
ihm Leiden ersparen,
bestimmt über das Leben des Tieres,
jedoch entgegen dem Willen und Wunsch des Tieres.
Gelegentlich auch darum, weil er das Sterben nicht aushalten kann -

Euthanasie im richtigen Moment ist 'ein keiner Schubs' um das Leben loslassen zu können, um friedlich Einzuschlafen und kann durchaus angezeigt sein.
Euthanasie im falschen Moment führt zu Angst, Panik, Todeskämpfen und - bitte entschuldigen Sie meine Direktheit - ist Mord und keine Sterbehilfe.

Tiere sterben sehr häufig viel leichter als Menschen.
Vermutlich deshalb weil sie
-  ihrer Bestimmung entsprechend leben konnten, ihr Leben somit Erfüllung gefunden hat, sie 'lebenssatt' sind,
-  es ihnen ohne Anstrengung gelingt, im Augenblick, im Hier und Jetzt zu leben,
-  sie sich in der Regel keine Sorgen um das Morgen machen,
-  sie inneren Frieden haben.

Am wichtigsten ist zu erkennen, dass nach und nach die körperlichen Funktionen des Lebens nachlassen. Das Tier wird 'weniger'.
Im gleichen Masse werden seine Sinne nach und nach wacher.

Wann genau Sterben beginnt, lässt sich in den wenigsten Fällen auf den ersten Blick erkennen.
Dahinter steht jedoch ein uralter Prozess, wie bei der Geburt, der zwar individuell, aber immer in gleicher Abfolge verläuft:


1. Sterbephase

Beginn eines Weges, der entweder zurück ins Leben oder aber ins Sterben führt.

-  Es ist noch nicht offensichtlich, dass das Tier zu sterben beginnt,
-  seine Sinne sind meist noch vollkommen klar und wach,
-  es frisst und trinkt noch,
-  es besteht eine körperliche Schwäche, bedingt durch Alter und/oder Krankheit,
-  Bewegungen fallen schwerer, sein Aktionsradius ist daher eingeschränkt,
-  seine Körperfunktionen beginnen nachzulassen.


2. Sterbephase

Rückzug

-  Das Tier zieht sich zurück, es liegt gerne an seinem Lieblingsplatz oder an einer abgelegenen, geschützten Stelle,
-  es hört möglicherweise auf zu essen und zu trinken,
-  es wird schwächer,
-  es wirkt müde,
-  es kann noch in der Lage sein, aufzustehen und seine Tagesgeschäfte zu erledigen,
-  intensiverer Körpergeruch kann auftreten.


3. Sterbephase

Entscheidung

-  Ein plötzliches Aufblühen ist möglich, das Tier kann sich bis hin zu wie in seinen besten Zeiten verhalten,
-  es kann der Eindruck entstehen, dass das Tier wider Erwarten wieder gesund werden könnte,
-  es kann sein, dass es häufig seinen Platz wechselt,
-  Schmerzäusserungen sind möglich.


4. Sterbephase

Klarheit

-  Das Tier hat sich entschieden, es zeigt keinen erkennbaren Lebenswillen mehr,
-  schwache oder schwere Atmung ist möglich,
-  unruhiges Verhalten kann sich einstellen,
-  die Organe stellen ihre Tätigkeit nach bis nach ein,
-  der Augenausdruck des Tieres wird verträumt oder 'leer',
-  Frieden und Ruhe können spürbar sein.


5. Sterbephase

Aufbruch

-  Der letzte Atemzug verebbt, das geliebte Tier hat uns für immer verlassen.

Es bleibt nur, das geliebte Tier vollkommen loszulassen, auch wenn es einen beinahe zerreisst.

Das Fortgehen der Seele ist manchmal spürbar.
Daher sollte das Tier an Ort und Stelle liegen gelassen werden, einen halben Tag oder einen ganzen Tag oder eine Nacht.
Als Symbolik kann ein Fenster geöffnet werden, damit die Seele die Freiheit hat, zu gehen -

Zurück gebliebene Tiere sollten ebenfalls Abschied nehmen können.
Sie verstehen mehr und wissen mehr, als wir denken und ihnen zutrauen.
Und so suchen und warten sie danach nicht auf das fehlende, auch von ihnen schmerzlich vermisste Tier.
Und auch uns bleibt ausreichend Zeit, um Abschied zu nehmen, die Situation in Demut, Frieden und Ruhe anzunehmen...

Meine persönliche Überzeugung ist es, dass Tiere, die im Gegensatz zum Menschen jenseits von Gut und Böse sind, einen Platz in der Ewigkeit bekommen, einen Platz im Paradies, fern von Angst, Leid, Schmerzen und Tod.
Denn wäre das nicht so, wäre der Aufwand des Schöpfers, jedes einzelne Tier in absoluter Einmaligkeit zu erschaffen, völlig sinn- und zwecklos.
Nichts in der Schöpfung ist jedoch sinn- und zwecklos, die Natur war ursprünglich perfekt, bis der Mensch so vieles zerstört hat.

Diese letzten Stunden, in denen der Körper des fortgegangenen Tieres noch anwesend ist, soll und darf auch eine bewusste Zeit der Tränen und der Trauer sein.
Totenwache hiess das früher.

Denn auch wenn viele Menschen um uns herum das nicht verstehen können und einem mit verletzendem Unverständnis begegnen:
Es war nicht 'bloss ein Hund' oder 'bloss ein Meerschweinchen', es war ein Lebewesen, das fest zu unserem Leben gehört hat und daher eine Lücke hinterlässt, die fortan immer vorhanden sein wird.
Und das ist gut so.
Und das darf und soll so sein.
Denn ein Lebewesen ist niemals ersetzbar.

Loslassen ist das Schwierigste im Leben überhaupt.
Und daher die wohl schwierigste Lebenslektion.
Tierhalter sind leider immer wieder damit konfrontiert, da unsere Tiergefährten eine deutlich kürzere Lebensspanne haben als wir Menschen.
Und: Loslassen tut immer weh.
Verdammt weh sogar.

Um solche Verluste ertragen zu können, hat der Mensch das Ventil der Tränen bekommen.
Tränen sind heilsam.